​Zurück in die Zukunft


Aber doch nicht jetzt. Wo schon so viel war und noch so viel ist.


Lass nur. Das geht vorbei. Es geht stets vorbei.

Drei Monate Chemie, mehr ist da nicht. Und keine Brücke überwindet die Schlucht zwischen verliebtem Sein und vereintem Leben.


Es ist, wie es ist. Die Schlucht muss bezwungen werden. Von ganz oben herab. Vom Gipfel der Gefühle geht es hinunter ins dunkle, kalte Tal.


Hinunter in die Tiefe.
Kein Absturz. Kein Sterben.
Einfach abwärts klettern, runter mit sich, bis auf die Knochen. Hier und da Halt finden. Zwischendurch mal stehen bleiben.


Jeder für sich.
Wir treffen uns unten. Ganz unten. Jeder für sich.
Wir halten ein, reden.


Bewegung gibt es. Ich bin mir sicher.
Fortschritt für Gefühle. Tauwetter für eisgefrorene Tränen.


Wieder jung sein. Noch mal leben. Am Rad der Zeit Gegensteuer geben und zurück finden, als der Horizont unendlich schien und uns nichts aufhalten konnte. Wie viel einfacher war das doch. Früher. Mit fleckenfreien Seelen und unverwundeten Herzen. Ohne Arg.


Wir verabreden uns – einmal nur.


Lass uns ganz früh treffen. Lass uns aufstehen und unsicher sein mit allem was dazu gehört: der Ungewissheit, ob der andere kommt. Kein Hunger, kein Durst, alle Antennen auf Empfang.


Übermütig irgendwo abmachen, keiner von beiden wird zuvor da gewesen sein. Wir wollen die Möglichkeit haben, uns zu verfehlen. Wir wollen die Spannung spüren und unsicher sein, als wären wir wieder siebzehn.
 

Aber du wirst da sein. Auf mich warten, an einer Hauswand lehnen, in einer Ecke stehen. Erste Worte, erste Blicke, erste Blitze werden an mir vorbeizischen, weil ich einzig daran denke: und wie gelange ich wieder in dein Herz?
 

Wir werden loslaufen, dem Fluss entlang, einfach immer weiter und sehen hundertmal Gesehenes wieder neu. Wir küssen ohne zu fragen. Wir umarmen und halten uns ohne zu zögern. Mehr schüchtern, als wissend. Der Zauber beginnt von vorn.
 

Die Zeit wird fliegen – in absurder Eile.

Die Dunkelheit kommt und holt uns ein.


Auf der anderen Seite der Schlucht schlagen wir die ersten Eisen in die Wand. Befestigen Haken und Seile und achten auf trittsicheres Gelände.
Steil wird es werden, mehr als anstrengend und du wirst ein bisschen zu sehr darauf achten, den letzten Bus zu erwischen, mich etwas ratlos zurücklassen wollend.


Dabei hast du keine Eile, der Bus wird dir gleichgültig sein und unser Begehren unermesslich. Alles was wir wollen: dass der Andere rechtzeitig dort ist, wo er hingehört.